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  • Thomas Schiffer

Auswirkung von ‚Erwartungen‘ in menschlichen Liebesbeziehungen‘

Aktualisiert: 20. Aug. 2021

2. Teil der Beitrags-Trilogie über menschliche Liebesbeziehungen


Erwartungen


Wie in meinem letzten Beitrag angekündigt, möchte ich euch nun den 2. Teil zum Lesen geben, der sich mit dem Begriff ‚Erwartung‘ und deren Auswirkung in einer menschlichen Liebesbeziehung näher befasst.


Von Erwartungshaltung spricht man dann, wenn ein oder auch beide Partner eine bestimmte Vorstellung davon haben, wie der jeweils andere sein und sich verhalten soll.


Aber auch Sätze wie "Ich brauche dich." oder "Ich kann ohne dich nicht leben.", sind mit höchsten Erwartungen verbunden. Oft führt das sogar so weit, dass die betreffende Person das ganze Denken und Tun auf den Partner ausrichtet und die eigenen Interessen und Freundschaften dabei vernachlässigt. Dahinter steckt letztlich die in der Regel unbewusste tiefe Glaubensüberzeugung: Habe ich die Liebe erst einmal im Außen gefunden, dann kann ich mich auch selbst lieben. Und je mehr Liebe ich dem Partner gebe, desto stärker wird die Liebe meines Partners zu mir sein und umso größer wird meine Selbstliebe.


Wenn jemand die eben erwähnten oder ähnliche Sätze ausspricht oder denkt, so überträgt er die Eigenverantwortung für sein Leben zumindest teilweise auf den Partner und bürdet diesem dadurch einen sehr hohen Verantwortungsdruck auf, der im Laufe der Zeit Stück für Stück weiter zunimmt. Damit ist der Keim für ein (plötzliches) Ende der Beziehung ist gelegt.


Generell üben Erwartungshaltungen, gleich welcher Art, immer Druck auf den Partner aus.


Dieser Druck erzeugt den Zwang im anderen, sich in bestimmter Weise verhalten, bestimmte Dinge tun oder unterlassen zu müssen, um den Erwartungshaltungen entsprechen zu können, um dadurch


· den Partner nicht zu verletzen oder zu enttäuschen

· dem Partner zu gefallen.


Oft handelt der Partner, der den Druck verspürt aus der Angst heraus, dass ihm der Partner die Liebe entziehen könnte, wenn der Erwartungshaltung nicht entsprochen wird.

Der Partner fängt deshalb an sich innerlich zu 'verbiegen' und unterdrückt damit den wahren Ausdruck seiner selbst. Er glaubt nicht, er selbst sein zu dürfen, sich nicht so geben zu dürfen, wie er ist. Stück für Stück verliert die betreffende Person die Selbstachtung und agiert bis hin zur Selbstverleugnung. Der Betreffende kann das deutlich für sich selbst wahrnehmen und leidet darunter. Das führt früher oder später an den Punkt, an dem der innerliche Leidensdruck schließlich so groß geworden ist, dass die Person das Verhalten mit einem Male ändert, um wieder sich selbst sein zu können. Das ist gewöhnlich der Punkt, an dem der andere Partner sagt: "Du hast dich in letzter Zeit aber sehr verändert."


Dies alles hat mit Liebe nichts zu tun. Es handelt sich hierbei nicht um ein Liebesverhältnis, sondern um ein Abhängigkeitsverhältnis. Ein Abhängigkeitsverhältnis entsteht aus der Bedürftigkeit und damit aus dem Mangeldenken heraus. Die Betreffenden glauben irgendetwas fehlt, sie glauben, irgendetwas zu benötigen. Und sie glauben, dass sie das, was sie brauchen, sich nicht selbst geben können, sondern nur im Außen zu finden ist.


Warum sind Beziehungen oft durch Verhaltensmuster der Erwartung, aber auch der Eifersucht und der Kontrolle geprägt?

Das diesen Mustern zugrunde liegende Thema ist in der Regel die 'Selbstliebe'.


Selbstliebe


Oft suchen Menschen die Liebe zu sich selbst im Außen und sie glauben, dass sie sich nur selbst lieben können, wenn sie von jemandem geliebt werden.

In Wahrheit jedoch verhält es sich genau umgekehrt. Liebe ist ein Seinszustand und erst wenn wir im Bewusstsein der Liebe leben und Liebe für uns selbst empfinden, sind wir in der Lage, Liebe zu geben und zu empfangen.

Eigenliebe ist die Voraussetzung für eine glückliche und langfristige Beziehung. Denn wir können uns nicht ablehnen, geringschätzen oder uns selbst verleugnen und einen anderen Menschen lieben. Das ist unmöglich.


Was verbirgt sich hinter mangelnder Selbstliebe?


Mangelnder oder gar gänzlich fehlender Selbstliebe liegen zum Beispiel folgende Denk- und Verhaltensmuster zugrunde:


· mangelndes Selbstvertrauen, das heißt Vertrauen in sich selbst

· das Gefühl sich selbst nicht zu genügen nicht genügend zu sein

· mangelnde eigene Wertschätzung

· sich nicht so zu nehmen wie man wirklich ist

· Ablehnung sich selbst gegenüber (mangelnde Selbstachtung)

· sich (permanent) mit Selbstvorwürfen zu konfrontieren

· nicht zu den eigenen tiefsten Gedanken und tiefsten Gefühlen zu stehen


Selbstliebe ist ein Gefühl, das sich einstellt, wenn wir uns selbst bejahen, uns selbst achten und wertschätzen können. Selbstliebe drückt sich auch dadurch aus, dass wir uns zu den eigenen tiefsten Gedanken und tiefsten Gefühlen bekennen.

(Was dies im einzelnen bedeutet und wie wir es erreichen können, für uns selbst Liebe zu empfinden habe ich in meinem Buch ausführlich erläutert. Den Link zum Buch findet ihr am Ende des Beitrags.)


Sich der eigenen inneren Wahrheiten, seiner tiefsten Gedanken und Gefühlen bewusst und klar zu werden, sich zu ihnen zu bekennen, sie auszusprechen und danach zu handeln, bedeutet Ehrlichkeit sich selbst und dem Partner gegenüber.


Liebe ist also nicht sich selbst oder den Partner zu verbiegen. Das hat nichts mit Liebe, sondern mit Selbstverleugnung und Unehrlichkeit zu tun.

Unehrlichkeit – ob bewusst oder unbewusst - verhindert, dass die Beteiligten ihr Leben selbstverantwortlich in die Hand nehmen und entsprechend ihrer eigenen inneren Wahrheiten gestalten und ausrichten können. Dies ist die Ursache für entstehendes und fortgesetztes Leid innerhalb einer Beziehung.


Ein sehr weiser Mann sagte einst zu mir:


Genüge dir selbst und brauche und erwarte nichts. Dadurch wirst du nicht nur die passende Partnerin/den passenden Partner ganz ‚automatisch‘ in dein Leben ziehen. Eine Beziehung, die aus diesem Bewusstsein heraus entsteht, kann zu einer echten Liebesbeziehung reifen.


Ausblick auf den 3. Teil der Beitrags-Trilogie 'zwischenmenschliche Liebesbeziehung'


Nun, was bedeuten Begriffe wie 'Ehrlichkeit' und 'Wahrheit' und worin liegt ihre Bedeutung für zwischenmenschliche Liebesbeziehungen (und darüber hinaus)?


Auf diese Fragen werde ich im dritten und letzten Teil der Trilogie über menschliche Liebesbeziehungen eingehen und dabei die fünf Ebenen der Wahrheit in den Mittelpunkt des Beitrags stellen.


Tiefergehende Informationen zu diesem Beitrag, wie z.B. die Frage: 'Wie können wir es erreichen für uns selbst Liebe zu empfinden?', findet ihr in meinem Buch:

Spiritualität & Lebensführung

- Lebenskrisen verstehen, meistern und vermeiden

Hier der Link: https://www.spirituelle-lebenshilfe.de/buch


Wie immer freue ich mich über Anmerkungen, Meinungen, Fragen usw…

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