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  • Thomas Schiffer

Ego, Rollen-Ich und die Beziehung zu den Eltern

Liebe LeserInnen,

seit einigen Jahren arbeite ich als Bewusstseins-Coach und helfe Menschen, die sich in einer Lebenskrise befinden. Häufig führen die Betroffenen ihre Schwierigkeiten auf die Beziehung zu den eigenen Eltern zurück.

Sehr gerne möchte ich euch deshalb, in Anlehnung an mein Buch:

Spiritualität & Lebensführung

Lebenskrisen verstehen, meistern und vermeiden

( https://www.spirituelle-lebenshilfe.de/buch )

in zwei Blog-Beiträgen das Thema aus meiner Sicht näher beschreiben.


Das Thema trägt den Namen

'Ego, Rollen-Ich und die Beziehung zu den Eltern'


Um verstehen zu können, wie es überhaupt möglich ist, dass wir Menschen in unserem Leben bestimmte Rollen einnehmen können und wie diese Rollen zu unserer Entwicklung beitragen, ist die Kenntnis darüber notwendig, was das Ich ist, für das wir uns gewöhnlich halten und das im allgemeinen Sprachgebrauch oft als Ego bezeichnet wird. Denn dieses ‚Ich‘ ist es, das uns Rollen in unserem Leben in bestimmter und individueller Art und Weise zum Ausdruck bringen lässt.


Der erste Blog-Beitrag beschäftigt sich deshalb mit dem, was das Ego ist und mit seinen Aufgaben und Funktionen.

Im zweiten Blog-Beitrag geht es um die Bedeutung des Rollen-Ich der Eltern für unsere eigene Entwicklung.


Erster Blog-Beitrag: Aufgaben und Funktionen des Ego


Das Ego ist ein hochspezialisierter Aspekt unseres selbst, der nach außen gerichtet ist. Es ist der Teil von uns, der sich am unmittelbarsten mit der Außenwelt, mit dem Leben in der physischen Welt, auseinandersetzt, das durch unser tieferes Selbst, das wir sind, gelebt wird. Das Ego ist eine Erscheinungsform, die aus etwas emporsteigt, das viel tiefer und weiter ist als es selbst. Und doch ist es ein Teil davon.


Das Ego setzt sich aus verschiedenen Persönlichkeitskomponenten zusammen. Es ist eine Kombination sich ständig wandelnder Eigenschaften, die gesamthaft agieren. Man kann das Ego auch als eine Art psychologische Struktur definieren, die aus Eigenschaften zusammengesetzt ist, die zu der Persönlichkeit als Ganzes gehören und eine Art Oberflächenidentität bilden. Keine oberflächliche Identität, sondern eine Oberflächenidentität, die sich mit der physischen Welt beschäftigt und in ihr agiert.


Das Ego hat im Wesentlichen zwei Funktionen:

Ego und die Erfahrung der Getrenntheit


Das Ego lässt uns als getrennt vom anderen wahrnehmen. Hier gibt es das ‚Ich‘, das, was ich bin, und dort gibt es das ‚Du‘, das, was du bist. Ich bin hier und du bist dort. Und ich bin anders als du.

Ohne das Ego könntest du und ich uns nicht als jeweils unterschiedliches Individuum erkennen und erleben. Das Ego ermöglicht die Erfahrung von ich und du.


Viele werden sich jetzt vielleicht fragen, was das für einen Sinn hat. Warum erleben wir uns als unterschiedliche Individuen, wo wir doch auf tieferer Ebene alle miteinander verbunden und eins sind?


Die Quelle, die die meisten Menschen für gewöhnlich als 'Gott' bezeichnen erfährt sich selbst und gleichzeitig auf vielfältigste Weise durch ihre eigenen Individualisierungen, durch alles, dem sie das Leben eingehaucht hat, also durch alles, was ist. Auf die menschliche Daseinsform bezogen geschieht das dadurch, dass sich jeder Mensch in der physischen Welt als getrennt vom anderen wahrnimmt und individuell erfährt. Dadurch, dass wir uns durch das Leben, das wir leben, auf höchst individuelle Weise erfahren, tragen wir alle, jeder für sich und auf einmalige Weise zur gesamtheitlichen Erfahrung der Quelle bei.

Die Existenz des Egos lässt uns die Trennung vom anderen als sehr real erscheinen. Gäbe es das Ego nicht, dann würden wir den anderen nicht als getrennt von uns wahrnehmen und individuelle Erfahrungen wären nicht möglich. Denn je mehr wir uns in die Tiefe unseres selbst begeben, je mehr verblasst das Getrenntsein und wird in ein Gefühl tiefer Verbundenheit verwandelt.


Im Zuge zunehmender Bewusstwerdung dessen, wer und was wir sind, verliert das Ego mehr und mehr seine Bedeutung. Es wird transzendiert durch das Bewusstsein, das wir sind, das durch es hindurch scheint und wird dadurch als das erkannt, was es ist.

Solange wir in der physischen Welt existieren, hat das Ego seine Bedeutung. Es ist untrennbarer Teil von uns, etwas, das wir haben, aber nicht sind. Das Ego ermöglicht uns individuelle Erfahrungen und leistet damit einen erheblichen Beitrag zu unserer persönlichen Evolution.


Es geht in unserem Leben nicht darum, das Ego zu bekämpfen oder auszulöschen. Das ist unmöglich. Es geht darum, uns seiner natürlichen Aufgaben und Funktionen bewusst zu werden. Schwierigkeiten und Probleme entstehen in unserem Leben nicht dadurch, dass wir ein Ego haben, sondern dadurch, dass wir uns mit unserem Ego identifizieren. Wenn wir glauben, das Ego zu sein, dann gestehen wir ihm eine Rolle zu oder besser gesagt, bürden sie auf, die für das Ego gar nicht vorgesehen ist und die es deshalb gar nicht ausfüllen kann. Unser Leben aus dem Ego heraus zu führen, beschert uns kein glückliches und zufriedenes Leben.


Ego und Rollen-Ich


Die zweite wesentliche Funktion des Egos ist die des Rollen-Ich, das eine große Bedeutung für den evolutionären Weg unserer selbst besitzt.

Jeder Mensch nimmt in seinem Leben die unterschiedlichsten Rollen ein und lebt diese Rollen gewöhnlich eine gewisse Zeit. Zu den verschiedenen Rollen, die ein Mensch in

seinem Leben spielt, gehören zum Beispiel die Rolle der Ehefrau, des Ehemanns oder der Mutter, des Vaters, der Schwester, des Bruders, der Arbeitskollegin oder des Arbeitskollegen, der oder des Vorgesetzten, der Nachbarin oder des Nachbarn, die Rolle der Freundin oder des Freundes usw.

Wie bereits erwähnt, setzt sich das Ego aus verschiedenen Persönlichkeitskomponenten und Eigenschaften zusammen, die es ermöglichen, dass Menschen ihre Rollen in einer ganz bestimmten Art und Weise leben. Das Wie beinhaltet einen Wachstumsimpuls und bietet die Möglichkeit für persönliches Wachstum aller Beteiligten, aller Menschen, deren Leben sich in Ausübung ihrer jeweiligen Rollen berühren.


Der Seelenplan, der vor Geburt festgelegt wird (Die Zeit vor unserer Geburt und der Seelenplan habe ich in meinem Buch beschrieben.) beinhaltet bestimmte Entwicklungsziele auf dem Weg unserer Evolution und ist deshalb mit bestimmten Erlebnissen verknüpft, die in der physischen Existenz erfahren werden wollen.


Das jeweilige Rollen-Ich, das wir und die beteiligten Seelen nach unserer Inkarnation im Außen zum Ausdruck bringen, dient dazu, dass alle Beteiligten sich mit den Lebensthemen auseinandersetzen und exakt diejenigen Lebenserfahrungen machen können, derentwegen sie in die physische Welt inkarniert haben. Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen, das der Weiterentwicklung aller Beteiligten dient.


Mit der Geburt gehen wir durch den Schleier des Vergessens. Wir vergessen, wer und was wir wirklich sind.

Du wirst jetzt fragen, was der Schleier des Vergessens ist und worin sein Sinn besteht. Die Antwort liegt im Ego selbst und seinen Funktionen begründet. Wir alle erschaffen für alle unsere Existenzen in der physischen Welt ein jeweils eigenes Ego, das in den ersten Monaten oder Jahren zum Vorschein kommt und sich im Laufe der Zeit verändert. In der Anfangszeit unseres Lebens sind wir Stück für Stück in der Lage, uns als vom anderen getrennt zu erkennen. Und auch die Rollen, die wir zu spielen beabsichtigt haben, kommen zunehmend zur Geltung.

Über das wer und was wir wirklich sind, weiß das Ego nichts. Seine Erschaffung und unsere in der Anfangszeit unseres Lebens wachsende Identifikation mit dieser Oberflächenidentität ist der Schleier selbst. In der Tatsache, dass es ein Ego gibt, liegt der Grund, warum wir vergessen, wer und was wir sind, wenn wir inkarnieren.


Der Sinn des Vergessens besteht darin, dass wir uns mit unseren Rollen identifizieren können. Diese zeitweilige Identifikation mit der Rolle ist wichtig, weil wir sonst nicht die Themen bearbeiten und die Erfahrungen machen können, derentwegen wir inkarniert haben. Nur durch die Existenz des Egos und seiner Funktionen (Getrenntheit, Rollen-Ich) sind wir in der Lage individuelle innere Erfahrungen mit Echtheitscharakter zu erzeugen. Gäbe es das Ego nicht, dann wüssten wir von Beginn unseres Lebens an, wer und was wir wirklich sind. In diesem Falle würden wir die einzelnen Rollenspiele der Menschen in unserem Umfeld und unsere eigenen Rollen von Anfang an als solche erkennen und durchschauen. Damit wären die Erfahrungen unseres Lebens nicht echt und nicht wirklich. Wir würden unser Leben wie der Zuschauer eines Theaterstücks erleben, der weiß, dass das Geschehen auf der Bühne nur ein Spiel ist.


Ihr findet diesen Blog-Beitrag auch auf meiner Facebook-Seite:

https://www.facebook.com/Spirituelle.Lebenshilfe.Thomas.Schiffer/

Wie immer freue ich mich dort über Anmerkungen, Meinungen, Fragen usw…

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